Trans Bayerwald - Blick auf Passau von der Veste Oberhaus

Mein Fazit von der Südroute

Mitten in der Zeit der Corona-Krise habe ich endlich Zeit, meine Eindrücke von der Südroute der Trans Bayerwald zusammenzufassen.

Ein vorneweg: Auch wenn ich hier bestimmte Sachen kritisiere, halte ich die Trans Bayerwald für ein sehr gelungenes Projekt. Es stärkt die öffentliche Wahrnehmung des Mountainbike-Sports.

Hoffentlich hilft die Trans Bayerwald der hiesigen Tourismuswirtschaft beim Erschließen neuer Zielgruppen.

Auch vielen Einheimischen bietet sich mit der Mountainbike-Route die Gelegenheit, die nähere Umgebung genauer zu erkunden und vielleicht das ein oder andere Neue zu entdecken.

Streckenwahl

Ich nehme für mich in Anspruch, dass ich mich im Bayerischen Wald gut auskenne. Die Südroute der Trans Bayerwald führte mich durch viele interessante Gebiete, die auch für mich neu waren. Ohne die Trans Bayerwald wäre ich an einige Ecken vielleicht nie hingekommen.

Die Etappen bis Falkenstein führen an vielen geschichtlich interessanten Orten vorbei. Dabei wurden teilweise ein paar Kompromisse bei der Auswahl der Wege gemacht.

Nach Falkenstein geht es hinauf in das Kerngebiet des Bayerischen Waldes. Dort werden die Ansprüche an Kondition und Fahrtechnik deutlich schärfer.

Für mich war aus sportlicher Sicht der Abschnitt zwischen Sankt Englmar und Bischofsmais das Highlight. Wer nach dieser Etappe noch Reserven hat, der kann sich dann noch im Bikepark austoben. Ich finde es eine gute Idee, den Bikepark quasi mit in die Strecke zu integrieren.

Nach der letzten großen Erhebung vor Passau, dem Brotjacklriegel, beginnt wieder ein Abschnitt, bei dem wieder öfter Kompromisse hinsichtlich der Strecke gemacht werden müssen.

Es ist nicht ganz einfach, eine Etappen-Tour so zu legen, dass ausschließlich mountainbike-gerechte Wege befahren werden. Das ist bei einem Alpencross so, bei dem durchaus auch einmal ein paar Kilometer auf der Straße zurückgelegt werden müssen.

Zweimal wurden Abschnitte auf Radwanderwegen eingebaut. Die verliefen auf brettebenen ehemaligen Bahntrassen. Das ist natürlich alles andere als eine ideale Mountainbike-Strecke. Trotzdem, nachdem ich im Nachhinein die Karten der Gegend angeschaut hatte, muss ich sagen, dass die Entscheidung für die ehemaligen Bahntrassen richtig waren. Die Alternative wären längere Abschnitte auf der Straße gewesen.

Vielleich gelingt es den Planern, nach und nach den ein oder anderen Abschnitt auf Asphalt oder auf Forststraßen durch schönere Wege zu ersetzen. Ich weiß, das ist sehr viel Arbeit.

Unterwegs hatte ich immer mal wieder Wegweiser für Abstecher von der eigentlichen Strecke gesehen. Die Abstecher sind an sich ein gutes Mittel, um die Strecke zu variieren. Es wäre gut, wenn diese Abstecher auch in die zum Download angebotene GPX-Datei aufgenommen würden. Außerdem fehlen mir ein paar Informationen zu den Abstechern. Beispielsweise ist bei mir hier in der Nähe der Brombeerriegel als Abstecher ausgeschildert. Ich weiß als Einheimischer natürlich, dass dort der Dreiwappenfelsen direkt an der Deutsch-Tschechischen Grenze ist. Ein Fremder wird sich aber fragen, warum er dorthin fahren sollte. Ein Text auf der Webseite der Trans Bayerwald wäre gut. Vielleicht ist da aber gerade noch etwas in Arbeit.

Das Konzept der Abstecher könnte man noch weiter ausbauen. Möglich wäre, dass für bestimmte Abschnitte alternative Strecken anbietet. Die können z. B. konditionell und fahrtechnisch anspruchsvoller als die Originalstrecke ausgelegt werden.

Meiner Meinung nach wäre es besser, wenn die Südroute der Trans Bayerwald nur für die Befahrung von Furth im Wald nach Passau und nicht in umgekehrter Richtung ausgelegt wäre. Eine Weg, der bergab eine schöne technische Abfahrt ist, wird man bergauf meist nicht fahren können. Bei einer eindeutigen Auslegung der Fahrtrichtung könnten mehr solche Wege eingebaut werden. Außerdem könnte die Beschilderung vereinfacht werden.

Beschilderung

Die Beschilderung der Trans Bayerwald hat einige gute Ansätze. Die Hinweisschilder zum nächsten Zwischenziel sind mit Kilometer- und Höhenmeter-Angabe versehen.

Wegweise in Landorf, noch einige Höhenmeter bis zum Ziel in Sankt Englmar
Wegweise in Landorf mit der Angabe der Höhenmeter bis Sankt Englmar

Das ist wirklich vorbildlich, denn die reine Kilometerangabe sagt wenig über die zu erwartende Anstrengung aus.

Die konsequente Festlegung einer Befahrungsrichtung würde auch der Beschilderung zugute kommen. Es würde Konfusion bei der Richtung vorbeugen.

Die Schilder für Abstecher sollten sich klarer von den Schildern für die Hauptroute abheben. Bei diesem Schild ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, das der Weg zum Brombeerriegel ein Abstecher ist.

Vorbildliche Ausschilderung mit Entferung und Höhenmeter
Abstecher zum Brommeerriegel

Ein kleiner Text „Abstecher“ und „Hauptroute“ auf den Schildern würde helfen.

Zwischen den Hauptwegweiser wie im Bild oben wird die Strecke durch viele Zwischenwegweiser markiert.

Etwas zu kleine Schilder
Etwas zu kleine Schilder

Das Design der Schilder ist in Ordnung. Richtung und Logo sind vollkommen ausreichend. Mehr Informationen kann man im Vorbeifahren sowieso nicht erfassen. Allerdings sind mir die Schilder zu klein. Schilder mit der 1,5-fachen oder doppelten Kantenlänge wären im Wald besser zu erkennen.

Die Zwischenwegweiser sind nicht immer an der passenden Stelle angebracht. Mit dem Mountainbike ist man doch wesentlich schneller als zu Fuß unterwegs und man muss sich mehr auf den Weg konzentrieren. Es ist also schwierig, wenn man sich umschauen muss, bis man das Schild findet. Deswegen halte ich es nicht für gut, wenn die Schilder längs zur Fahrtrichtung angebracht werden.

Was die Beschilderung angeht, ist in den nächsten Jahren viel Feinarbeit nötig, um nach und nach die Qualität weiter zu erhöhen.

Jedem, der die Trans Bayerwald fahren möchte, empfehle ich die Verwendung des offiziellen GPS-Tracks. Dessen Qualität ist sehr gut. Mit dem Track ist es problemlos möglich, die Trans Bayerwald nachzufahren.

Es ist nicht ratsam, sich ausschließlich auf die Beschilderung zu verlassen. Es kann immer mal vorkommen, dass ein Schild verschwindet oder in die falsche Richtung zeigt. Dazu reicht ein umgestürzter Baum oder ein abgebrochener Ast. Die Beschilderung sehe ich nur als zusätzliche Information. Das ist aber bei jeder Beschilderung vom Mountainbike-Strecken so.

Marketing

Die Grundlage für eine gutes Marketing ist eine vernünftige Webseite.

Die Webseite ist meiner Meinung nach gut gestaltet und sie ist informativ.

Wichtig ist, dass die Webseite auch auf einem Smartphone gut zugänglich ist. Ist man auf der Strecke unterwegs, dann will man sich vielleicht über die nächste Etappe informieren oder man sucht eine Unterkunft im Etappenort. Das funktioniert wirklich gut.

Auf der Webseite wird ein Starter-Paket angeboten. Es besteht aus aus einem Reisetagebuch mit Stempelkarte, einem Etappen-Booklet mit Karten und einer Infofiste mit Übernachtungsmöglichkeiten, Ansprechpartnern vor Ort, Gaststätten usw. Das Material ist nützlich und informativ. Es steht auch online als PDF zur Verfügung.

Mit der Tour mit Sabine Spitz im letzten Jahr wurde versucht, die Trans Bayerwald unter der Zielgruppe bekannter zu machen. Aus meiner Sicht war das eine gute und sinnvolle Aktion.

Ein Kanal auf Instagram und eine Facebook-Seite ergänzen das Marketing. Die Verantwortlichen sind dort auch tatsächlich ansprechbar.

Fazit

Die Trans Bayerwald ist ein interessantes Projekt. Es gibt aus meiner Sicht keine grundsätzlichen Probleme. Viele Kleinigkeiten können nach und nach verbessert werden, so dass das Angebot noch attraktiver wird.

Ganz herzlichen Dank an das Team, welches das Projekt auf die Beine gestellt hat. Das steckt viel Arbeit dahinter, die man nicht auf den ersten Blick sieht.

Für mich steht jedenfalls fest, dass ich dieses Jahr die Nordroute in Angriff nehmen werde. Hoffentlich lässt es die Lage rund um Corona zu. Auf jeden Fall wird es hier Berichte darüber geben.

Ein Gedanke zu “Mein Fazit von der Südroute

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